Kleinbahn Bremen-Thedinghausen

Der 1. Oktober 1910 ist ein großer Tag für Thedinghausen. Zum ersten Mal erreicht ein Zug die kleine Landgemeinde! Jungfrauen nehmen Aufstellung, der Männerchor singt und ein Grußtelegramm geht zur Feier des Tages an den Kaiser. Endlich ist es geschafft! Die Landwirtschaft findet neue Absatzwege, Vieh wird ins Ruhrgebiet transportiert, Gemüse erreicht Bremen nun viel schneller und Kohle und andere Güter werden nach Thedinghausen gefahren.

 

Die erste große Welle des Eisenbahnbaus in Deutschland war bereits vorüber, als 1908 eine erste Teilstrecke von Bremen-Huchting bis Brinkum eröffnet wurde. Während sich die deutschen Länderbahnen zunächst auf die großen Verbindungen beschränkten, waren es in der Provinz private Investoren, die den Bahnanschluss an die große weite Welt herstellten. Die Trassierung der Strecken war häufig einfacher als die der Hauptbahnen, die Bahnhöfe kleiner - und so sprach man von Kleinbahnen.

 

 

Im 2. Weltkrieg spielte die Kleinbahn Bremen-Thedinghausen eine wichtige Rolle, als die Weserbrücke bei Dreye zerstört wurde und schwere Güterzüge zwischen Norddeutschland und dem Ruhrgebiet über die Kleinbahn umgeleitet wurden. Eines der traurigsten Kapitel der Kleinbahn waren im Krieg die Transporte von Zwangsarbeiterinnen aus dem KZ-Außenlager Obernheide bei Stuhr nach Bremen. Nach dem Krieg erlebte die Bahn einen weiteren Boom, als Hunger leidende Bremer in völlig überfüllten Zügen aufs Land fuhren, um ihre wenigen Habseligkeiten gegen Essbares einzutauschen. Doch dann kam das Wirtschaftswunder und mit ihr das Auto. Die Kleinbahn versuchte, den Betrieb rationeller durchzuführen und ersetzte Dampfzüge durch preiswertere Dieseltriebwagen, doch am 1. Oktober 1955 kam das Aus für die Personenzüge, nur der Güterverkehr blieb.

 

Ende der 90er Jahre erwarb eine ominöse Investmentgesellschaft zunächst unbemerkt die Aktienmehrheit der Kleinbahn mit dem Ziel, die Strecke abzureißen und lukrative Baugrundstücke zu verkaufen. Der härteste Kampf unseres Vereins begann: Mit aller Kraft stemmten wir uns gegen die Stilllegung - mit Erfolg! Im Jahre 2000 übernahmen die Anliegergemeinden die Bahn, die seitdem vor allem im Güterverkehr auf dem Streckennetz der DB in der Region tätig ist. 

 

Daten der Kleinbahn Bremen - Thedinghausen

 

Betriebseröffnung: 

1. Oktober 1908 Huchting - Brinkum

1. Februar 1910 Brinkum - Leeste

1. Oktober 1910 Leeste - Thedinghausen

 

Die Personenzüge der Kleinbahn begannen und endeten in Bremen-Neustadt und befuhren dafür zwischen Huchting und Bremen-Neustadt die Strecke der Deutschen Reichsbahn / Deutschen Bundesbahn.

 

Einstellung des Personenverkehrs: 

1. Oktober 1955

 

Streckenlänge:

26,2 Kilometer; die Züges des Pingelheinis verkehren ab Brm-Kirchhuchting und befahren damit 24,7 Streckenkilometer.

 

Im Laufe der Jahrzehnte verkehrten bei der Kleinbahn insgesamt zwölf Dampflokomotiven, sechs Diesellokomotiven und zwei Triebwagen.

Dampfloks in Erichshof, ca. 1914

Triebwagen T2 der Kleinbahn Bremen-Thedinghausen, ab 1935 im Einsatz, nun im Museum in Bochum. Hier bei seiner "Heimkehr" für Sonderfahrten im Jahre 2010 in Leeste

Güterzug 1985 in Leeste

Präsentationsfahrten mit einer Diesel-/Elektrischen Straßenbahn aus Kassel. 2006 in Stuhr. So ungefähr soll die Zukunft der Kleinbahn zwischen Bremen und Leeste aussehen.